ZENPOSAN BENDOJI
ZenDojo Bern
DHARMA
 

KOMMENTAR

Dialog über das Auslöschen der Anschauung


Gozu Hoyu – Niu-t’ou Fa jung
594 – 657

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ZEKKANRON

Dialog über das Auslöschen der Anschauung
Gozu Hoyu – Niu-t’ou Fa jung
594 – 657

Der grosse Weg ist ohne Grenzen, subtil und ruhig, jenseits unserer Verständniskraft, jenseits von Worten.
Nyuri, der in die Wahrheit Eingetretene ist ruhig, ohne Worte.
Enmon, der bis zum Tor gekommene steht auf und fragt: „Was ist es, was Geist genannt wird, wie wird der Geist zur Ruhe gebracht?“
„Es ist unnötig einen Geist anzunehmen und es ist unnötig einen Geist speziell zur Ruhe zu bringen. Nur das kann „den Geist zur Ruhe bringen“ genannt werden.“
„Wenn der Geist nicht existiert, wie lernen wir dann den Weg?“
„Der Weg ist nicht etwas, was wir uns mit dem Geist vorstellen können, warum sollte der Weg abhängig vom Geist existieren?“
„Wenn der Weg nicht mit dem Geist vorstellbar ist, mit was können wir ihn uns dann überhaupt vorstellen?“
„Wenn es eine Vorstellung gibt, ist da bereits Geist. Geist widerspricht dem Weg. Keine Vorstellung ist bereits Nichtgeist. Nichtgeist ist der Weg der Wahrheit.“
„Haben wirklich alle Menschen den Geist, oder nicht?“
„Anzunehmen, dass alle Menschen Geist haben, ist eine verdrehte Ansicht. Weil Geist im Nichtgeist angenommen wird, entsteht Täuschung.“
„Was existiert im Nichtgeist?“

„Nichtgeist ist zugleich Nichtding. Nichtding ist zugleich Natur an sich. Natur an sich ist bereits der Grosse Weg.“
„Wie können die Täuschungen der Menschen vernichtet werden?“
„Solange man Täuschungen und ihre Vernichtung sieht, wird man sie nicht los.“
„Ist es möglich, mit dem Weg eins zu sein, ohne Vernichtung der Täuschungen?“
„Solange man über Einssein und Nichteinssein nachdenkt, ist man von den Täuschungen nicht frei.“
„Was soll man tun?“
„Nichttun, das ist es.“
„Was ist es, was ein Buddha vernichtet und was ist es, was er erlangt, damit er Buddha genannt wird?“
„Ohne etwas zu vernichten, ohne etwas zu erlangen ist er bereits ein Buddha.“
„Wenn er nichts vernichtet und nichts erlangt, wie unterscheidet er sich dann von gewöhnlichen Menschen?“
„Sie sind nicht gleich, weil alle gewöhnlichen Menschen fälschlicherweise etwas haben, was sie vernichten wollen, und irrtümlicherweise etwas haben, was sie erlangen wollen.“
„Nun sagst Du, dass gewöhnliche Menschen etwas zu erlangen haben, und Buddhas nicht. Was ist der Unterschied zwischen Erlangen und Nichterlangen?“
„Weil gewöhnliche Menschen etwas haben, was sie erlangen möchten, entsteht sogleich Täuschung. Weil Buddhas nichts haben, was sie erlangen möchten, sind sie frei von Täuschung. Innerhalb der Täuschung entsteht sofort Gleich oder Nichtgleich. Ohne Täuschung gibt es keine Verschiedenheit oder Nichtverschiedenheit.“
„Wenn es keine Verschiedenheit gibt, warum wird dann der Name „Buddha“ verwendet?“
„Gewöhnlicher Mensch oder Buddha, beides sind nur Namen. Das Wesen in den Namen ist nicht verschieden. Es ist, als ob man über die Haare einer Schildkröte oder über die Hörner eines Hasen reden würde.“
„Wenn Buddha gleich den Haaren einer Schildkröte oder den Hörnern eines Hasen ist, dann könnte man sagen, dass er letztlich nicht existiert. Was willst Du dann noch üben lassen?“
„Ich sage, dass die Schildkröte keine Haare hat, aber ich sage nicht, dass es die Schildkröte nicht gibt. Was also sind Deine Vorwürfe?“
„Was meinst Du mit keine Haare hat, und was bedeutet „Schildkröte“?“
„Die Schildkröte ist der Weg, die Haare sind das Selbst. Buddha ist ohne Selbst, der Weg. Im Gegensatz dazu ist ein gewöhnlicher Mensch besessen von Namen und der Vorstellung eines Selbst und überzeugt, dass es die Haare der Schildkröte und die Hörner des Hasen gibt.“
„Wenn das so ist, dann gibt es den Weg und das Selbst gibt es nicht. Wenn man sagt, es gibt oder es gibt nicht, ist man dann nicht wieder bei einer Betrachtungsweise von Sein oder Nichtsein?“
„Weder gibt es das Sein des Weges, noch das Nichtsein des Selbst. Warum nicht? Die Schildkröte ist kein Ding, das in der Vergangenheit nicht existiert hat, aber jetzt in der Gegenwart existiert. Deshalb kann man sie nicht existieren nennen. Die Haare sind nichts, was es in der Vergangenheit gab und aber jetzt in der  Gegenwart nicht. Deshalb kann man sie nicht existieren nennen. Die Haare sind nichts, was es in der Vergangenheit gab und in der Gegenwart nicht. Deshalb kann man sie nicht Nichtexistieren nennen. Die Gleiche Analogie gilt für die Beziehung von Weg und Selbst.“
„Bezüglich der Wegsucher, ist es einer der den Weg findet, oder sind es viele, die ihn finden? Ist es jeder einzelne, der ihn findet, oder sind es alle zusammen? Haben Menschen ihn von Anfang an, oder findet man ihn nach beendeter Übung?“
„Alle Deine Annahmen sind falsch. Warum? Wenn es eine Person wäre, die den Weg finden würde, wäre er nicht allgemein. Wenn es viele wären, hätte er Grenzen. Wenn es jeder einzelne wäre, dann wäre der Weg eine Frage der Anzahl. Wenn es alle zusammen wären, würde Übung etwas Bedeutungsloses sein. Wenn alle ihn von Anbeginn hätten, wären Zehntausende von Übungen eine nutzlose Sache. Wenn man ihn nach beendeter Übung erlangen würde, wäre er künstlich, aber nicht die Wahrheit.“
„Was ist er also letztlich?“
„Frei von Massstäben, Unterscheidungen und Verlangen.“
„Der gewöhnliche Mensch hat einen Körper, er sieht, hört, fühlt und weiss. Auch der Erleuchtete besitzt einen Körper, sieht hört und weiss. Wo ist der Unterschied zwischen beiden?“
„Der gewöhnliche Mensch sieht mit den Augen, hört mit den Ohren, fühlt mit dem Körper und weiss mit dem Bewusstsein. Aber nicht so der Erleuchtete. Bei ihm ist Sehen, Nichtsehen mit den Augen und Wissen ist Nichtwissen mit dem Bewusstsein. Warum nicht? Weil es jenseits aller Beschränkungen ist.“
„Warum heisst es dann in den Lehrreden, dass der Erleuchtete nicht sieht, nicht hört, nicht fühlt und nicht weiss?“
„Das Sehen, Hören und Fühlen des Erleuchteten ist nicht wie das des gewöhnlichen Menschen. Aber das bedeutet nicht, dass es für ihn keine Welt der Wahrnehmung gibt. Lediglich, dass sie nicht im Gegensatz von Sein und Nichtsein, Haben und Nichthaben befangen und somit jenseits aller Bewertung ist.“
„Gibt es wirklich für den gewöhnlichen Menschen die gewöhnliche Welt der Wahrnehmung?“
„In Wirklichkeit gibt es sie nicht, in der Täuschung gibt es sie. Ursprünglich ist es ruhig und still. Aber wenn es mit Unwahrheit überdeckt und mit Massstäben verknüpft wird, entstehen verdrehte Anschauungen.“
„Ich kann das nicht verstehen. Warum ist das Sehen eines Erleuchteten kein Sehen mit den Augen und das Wissen kein Wissen mit dem Bewusstsein?“
„Einsicht in die Selbstnatur der Grossen Ordnung, ins Dharma ist schwer. eine Analogie wird dem Verständnis helfen. Wenn schwarzes Licht Dinge reflektiert, scheint es, als ob es sowohl das, was reflektiert, als auch das, was reflektiert wird, gäbe. Aber es gibt kein subjektives Auge das reflektieren kann. Oder auch in dem Wirken von Yin und Yang scheint es als ob sowohl das, was weiss, als auch das was gewusst wird, gäbe. Aber es gibt kein subjektives Bewusstsein, welches weiss.“
Enmon erhebt sich und fragt: „Letztlich, zu wem gehört der Weg?“
Nyuri antwortet: „Letztlich hat er keine Zugehörigkeit. Genau wie die Leere, die von nichts abhängig ist. Wenn der Weg eine Zugehörigkeit hätte, würde es sogleich Beschränkungung Befreiung, Herr und Diener geben.“
„Was ist der Ursprung des Weges, was ist das Wirken des Dharmas?“
„Leere ist der Ursprung des Weges, alle Dinge sind das Wirken des Dharma.“
„Wer veranlasst das Wirken?“
„Da ist niemand, der das Wirken veranlasst. Der Dharma wirkt gemäss seinem Wesen aus sich selbst.“
„Unterliegt er nicht der Gewalt des Karmas der Menschen?“
„Wer vom Karma bewegt wird, ist vom Karma gefesselt. Es ist nicht möglich, dass solch ein Mensch sich frei bewegen könnte. Wie könnte er Musse haben, das Meer zu graben, Berge aufzuhäufen, den Himmel zu besänftigen oder die Erde zu schaffen?“
„Ich hab gehört, dass ein Bodhisattva seinen Körper durch Gedanken erzeugen kann. Sind da nicht übernatürliche Kräfte mit im Spiel?“
„In der Handlung eines gewöhnlichen Menschen sind Ausflüsse, die Handlungen eines Erleuchteten sind frei von Ausflüssen. Abgesehen davon, dass es einen Unterschied zwischen beiden gibt, sind beide noch nicht der natürliche Weg. Deshalb haben wir den Ausdruck: Die mannigfaltigen, durch Gedanken erzeugten Körper nenne ich nichts anderes als geistige Gebilde.“
„Du hast vorher gesagt, dass Leere der Ursprung des Weges ist. Ist dann Leere gleichbedeutend mit Buddha?“
„Ja, genau so.“
„Wenn es Leere ist, warum richtet der Erleuchtete dann die Aufmerksamkeit der Menschen nicht auf die Leere, sondern lässt sie Buddha verehren?“
„Die Lehre und Übung der Buddha-Verehrung sind für die Unwissenden. Die Lehre und Übung in die Eisicht der wahren Form des eigenen Selbst sind für diejenigen, die ein Verständnis des Weges besitzen. die Einsicht in Buddha ist aber genau Gleich, denn die wahre Form ist Nichtform, ist Leere.“
Enmon erhebt sich und fragt: „Nun habe ich gehört, dass auch die Anhänger von anderen Religionen die fünf Übernatürlichen Kräfte erlangen, genauso wie die Bodhisattvas. Was ist der Unterschied zwischen beiden?“
Nyuri antwortet: „Es ist nicht dasselbe, weil die Anhänger anderer Religionen Denken, dass es ein erlangendes Subjekt gibt. die Bodhisattvas hingegen denken nicht so, weil sie zum Nichtselbst erwacht sind.“
„Von jeher sind Anfänger auf dem Weg unvollständig in ihrem Wissen, erkennen die Wahrheit nur geringfügig und verstehen das subtile Prinzip nur ungefähr. Worin würden sie, verglichen mit den Anhängern der anderen Religionen, die fünf übernatürlichen Kräfte besitzen, überlegen sein?“
„Zu allererst erkenne das Prinzip, wenn auch nur geringfügig. worin besteht der Nutzen, die fünf übernatürlichen Kräfte der anderen Religionen so wichtig zu nehmen.“
„Wenn jemand diese fünf übernatürlichen Kräfte besitzt, wird er von anderen hochgeschätzt, weiss im voraus, was in der Zukunft passieren wird, weiss, was in der Vergangenheit geschah und kann sich selbst gegen Fehler schützen. Ist er nicht überlegen?“
„Nein, Weil alle weltlichen Menschen vorwiegend von Formen eingenommen werden, begierig sind Geschäfte zu machen, heucheln und die Wahrheit durcheinanderbringen. Selbst wenn sie die übernatürlichen Kräfte von Sheng-i oder die Beredsamkeit von Shan-hsing besässen, wäre zu befürchten, dass sie von jeder Erdspalte verschluckt werden und zur Hölle fahren, solange sie das Prinzip der wahren Form nicht kennen.“
Enmon fragt: “Existiert der Weg nur in beseelten Körpern oder existiert er auch in Gräsern und Bäumen?“
Nyuri antwortet: „Es gibt keinen Ort, den der Weg nicht durchdringt.“
„Wenn der Weg alles durchdringt, warum ist es dann eine Sünde jemanden umzubringen, wogegen es keine Sünde ist, wenn man Gräser und Bäume tötet?“
„Über Sünde oder Nichtsünde zu reden, ist eine Angelegenheit von subjektiven Wertungen und nicht der korrekte Weg. Weil die Menschen der Welt nicht mit dem Weg vertraut sind und willkürlieb ein Selbst errichten, wird Töten zur Absicht, der Geist wird gefesselt und daraus entsteht Karma. Deshalb redet man über Sünde. Gräser und Bäume sind jedoch ohne ein wertendes Bewusstsein und von Anfang an in Übereinstimmung mit dem Weg. Weil sie grundsätzlich Nichtselbst sind, ist derjenige, der sie tötet auch frei von Abwägungen. Daher gibt es keine Debatten über Sünde oder Nichtsünde. die Menschen, die Nichtselbst sind und in Übereinstimmung mit dem Weg, denken über ihren Körper wie über Gräser und Bäume. Selbst wenn sie mit einem Schwert durchbohrt werden, sind  sie wie Bäume im Wald. Als deshalb Manjushri ein Schwert gegen Gautama Buddha erhob, oder Angulimalya einen Säbel gegen Shakyamuni, war auch dies in Übereinstimmung mit dem Weg. Beide bezeugten das Ungeborene und wussten um die Wandlung dessen, was leer und nichtig ist. Deshalb gibt es keine Auseinandersetzung über Sünde oder Nichtsünde.“
„Wenn Bäume und Gräser von Anfang an in Übereinstimmung mit dem Weg sind, warum steht dann in den Lehren nichts über die Erleuchtung von Gräsern und Bäumen, sondern nur über die Erleuchtung von Menschen?“
„Es ist nicht nur über die Erleuchtung der Menschen geschrieben, sondern auch über die Erleuchtung von Gräsern und Bäumen. In einem Sutra steht: Selbst im kleinsten Staubkörnchen ist die Grosse Ordnung enthalten. Und ein anderes Sutra sagt: Alles ist die Soheit.“
Enmon fragt: „Dieses Prinzip der letztendlichen Leere, anhand von was wird es bewiesen?“
Nyuri antwortet:“ In allen Erscheinungen solltest du es erkennen, in deinen eigenen Worten sollte der Beweis liegen.“
„Wie erkennt man es in den Erscheinungen, wie beweist man es in den Worten?“
„Die Leere und die Erscheinungen sind eins, die Worte und der Beweis sind nicht zwei.“
„Wenn alle Erscheinungen Leere sind, warum ist es für den Erleuchteten erkennbar und für den gewöhnlichen Menschen verdeckt.?“
„Der gewöhnliche Mensch bewegt sich willkürlich, deshalb ist es verdeckt. Der Erwachte entspricht der Wahrheit und ist ruhig, deshalb ist es durchlässig.“
„Wenn wirklich alle Erscheinungen Leere sind, wie können sie dann Geruch annehmen. Wenn sie Geruch annehmen, wie kann man dann die Leere verwirklichen?“
„Das, was zur Täuschung wird, entsteht plötzlich durch Unbewusstheit und bewegt sich plötzlich durch Unbewusstheit. In der wahren Leere gibt es kein Ding, das Geruch annehmen könnte.“
„Wenn wirklich alle Erscheinungen Leere sind, braucht sich niemand auf dem Weg zu üben. Warum nicht? Weil ihr Wesen von Natur aus leer ist.“
„Wenn die Menschen das Prinzip der Leere erkennen, besteht wirklich keine Notwendigkeit für Übung. Nur weil sie die Leere nicht ausschöpfen, entstehen Täuschungen über das Sein.“
„In diesem Fall muss es so sein, dass es den Weg gibt, wenn man die Täuschung verlässt. Würdest du also sagen, dass alle getrennt vom Weg sind?“
„Nein. Täuschungen sind nicht der Weg. Freiwerden von Täuschungen ist ebenfalls nicht der Weg. Warum? Wenn jemand zum Beispiel betrunken ist, ist er nicht nüchtern. Wenn er nüchtern ist, ist er nicht betrunken. Jedoch existiert Betrunkenheit nicht getrennt von Nüchternheit, noch ist Betrunkenheit gleichzeitig Nüchternheit.“
„Wo ist dann die vorherige Betrunkenheit, wenn jemand nüchtern ist?“
„Es ist wie eine umgedrehte Handfläche. Wenn sie umgedreht ist, besteht keine Notwendigkeit zu fragen wo sie ist.“
Enmon fragt: „Kann jemand, der das Prinzip versteht, die Wahrheit lehren und andere Menschen aufklären?“
Nyuri antwortet: „Nein, das ist nicht möglich. Wie könnte jemand dessen eigene Augen noch nicht klar sind die Augen anderer behandeln.“
„Kann er denn nicht die Kraft seines Intellekts als Mittel benützen um andere zu lehren?“
Im Falle von jemandem, der das Prinzip des Weges erkannt hat, könnte man es die Kraft des Intellekts nennen. Bei jemandem der das Prinzip des Weges nicht erkannt hat sollte man es die Kraft der Ignoranz nennen, weil es nur ein Fördern und Ermutigen eigener Begierden ist.“
„Es mag für ihn nicht möglich sein, Menschen über das Prinzip der Wahrheit aufzuklären, aber er könnte ihnen die zehn tugendhaften Handlungen und die fünf Gebote nahebringen, damit sie in der menschlichen Welt oder in der himmlischen Welt wiedergeboren werden. Warum ist das ohne Gewinn?“
„In der höchsten Wahrheit gibt es keinen Gewinn. Darüber hinaus wird dadurch doppelter Schaden verursacht. Das Irreführen von sich selbst und anderen. Sich selbst irrezuführen bedeutet sich auf dem Weg zu behindern. Andere irrezuführen bedeutet, sie im Kreislauf der sechs Wiedergeburten umherirren zu lassen.“
„Hat der Erwachte nicht über die fünf verschiedenen Fahrzeuge gelehrt?“
„Der Erwachte hatte nicht die Absicht, verschiedene Wahrheiten zu lehren. Es sind nichts anderes als Manifestationen von Erwartungen der Menschen. Deshalb steht in den Sutren: Wenn der Geist vollkommen ruhig ist, gibt es kein Fahrzeug und niemand, der es fährt. Das Nichtvorhandensein eines Fahrzeuges nenne ich das alleinige Fahrzeug.“
Enmon fragt: „Wie kommt es, dass jemand, der sich in der Wahrheit übt, bei anderen unbekannt ist, warum wird er von anderen Menschen nicht erkannt?“   
„Ein Schatz wird von einem Armen nicht erkannt. Der wahre Mensch jenseits dem Verständnis vieler gewöhnlicher Menschen.“
„In der Welt gibt es viele Heuchler. sie sind mit der Wahrheit nicht vertraut. Nach aussen hin agieren sie eindrucksvoll und widmen sich hauptsächlich ihren Geschäften. Viele Leute suchen ihre Gesellschaft. Was ist der Grund?“
„Eine unmoralische Frau zieht massenweise Männer an, totes Fleisch zieht schwarmweise Maden an. Genauso ist es mit Namen und Formen.“
„Wie verhält sich ein Bodhisattva auf dem abseitigen Weg und wie verwirklicht er den Buddha-Weg?“
„Er urteilt nicht in Gut und Schlecht.“
„“Was bedeutet es nicht zu urteilen?“
„Konfrontiert mit Dingen, kein Geist, der sich erhebt.“
„Kann man sagen, dass es das handelnde Subjekt nicht gibt?“
„Weder gibt es das handelnde Subjekt, noch gibt es das nichthandelnde Subjekt.“
„Ist es ohne Empfindung und Bewusstsein?“
„Es ist mit Bewusstsein, aber ohne Selbst.“
„Wenn es ohne Selbst ist, warum kann es dann mit Bewusstsein sein?“
„Weil Bewusstsein an sich ohne Selbst ist.“
„Wo liegt die Schwierigkeit, wenn wir den Begriff „Selbst“ verwenden?“
„Den Begriff zu kennen birgt keine Schwierigkeit. Das einzige, was Anlass zur Sorge gibt, ist das, was im Geist ist.“
„Was ist schwierig, wenn etwas im Geist ist?“
„Wenn nichts schwierig ist, ist nichts im Geist. Wenn nichts im Geist ist, was sollte da zur Schwierigkeit werden.“
„Warum ist es abseits vom Weg, wenn man etwas vorhandenes zurückweist und statt dessen kein Ding vorzieht?“
„Die Wirklichkeit ist ohne Ding. Du willst mit aller Kraft etwas erzeugen. Was sollte das sein?“
„Gibt es Umstände, die das Töten ermöglichen?“
„Lauffeuer verbrennt den Berg, Sturm spaltet die Bäume, eine Lawine zermalmt Tiere, Flut ertränkt Gewürm. Wenn der Geist so wirkt, ist Töten möglich. Aber wenn der Geist verwirrt ist und Leben und Tod sieht, dann kann eine einzige Ameise dein Leben in Fesseln halten.“
Gibt es Umstände, die Stehlen ermöglichen?“
„“Bienen trinken den Honig der Blumen am See, Spatzen picken im Acker, Kühe fressen Bohnen am Ufer, Pferde fressen Reis im Feld. Wenn kein Gedanken über den Besitz anderer auftaucht, kannst du sogar einen Berg in Beschlag nehmen. Andernfalls kann sich ein Blatt so dünn wie eine Nadelspitze, um deinen Hals wickeln und dich zum Sklaven machen.“
„Gibt es Umstände, die unkontrollierte Leidenschaft ermöglichen?“
„Der Himmel wölbt sich über die Erde, das Prinzip Yin passt zum Yang, eine Toilette empfängt Fäkalien von oben, ein Springbrunnen ergiesst sich in eine Rinne. Wenn der Geist so wirkt, wird er nirgends auf ein Hindernis stossen. Wenn im Geist Wertungen auftauchen, wird sogar deine eigene Frau dein Herz beschmutzen.“
„Gibt es Umstände, die Lügen ermöglichen?“
„“Wenn Worte gesagt werden ohne ein Subjekt das redet, wenn geredet wird ohne Geist, dann ertönen Stimmen wie eine Glocke, und der Atemzug, der Worte formt, ist wie der Wind. Wenn der Geist so wirkt, existiert nichts, selbst wenn du Buddha sagst. Andernfalls existiert Lüge, selbst wenn du betest.“
Enmon erhebt sich und fragt: „Wenn man sich vorstellt, dass der eigene Körper als Selbst nicht existiert, wie gibt es dann Gehen, Stehen und Liegen?“
„Ausschliesslich gehen, stehen, sitzen, liegen. Warum willst du unbedingt die Vorstellung eines Körpers, eines Selbstes erzeugen?“
„Wenn es wirklich nicht existiert, wie kann man dann über die richtigen Prinzipien nachdenken?“
„Wenn man voraussetzt, dass es Geist gibt, wird es ihn geben, auch wenn man nicht denkt. Wenn man Nichtgeist erkannt hat, wird Nichtgeist sein, auch wenn man nachdenkt. Warum? Es ist genau so wie ein Zen-Meister, der ruhig sitzt und die Gedanken auftauchen lässt, oder wie ein Taifun, der, wenn er rast, Nichtgeist ist.“
Enmon fragt: „Wenn ein unerfahrener Anfänger auf dem Weg plötzlich in der Lage befindet, dass ihn jemand umbringen will, welche Massnahmen, die dem entsprechen, kann er ergreifen?“
„Es ist absolut unnötig, Massnahmen zu ergreifen. Warum? Wenn man entgehen kann, entgeht man, wenn man nicht entgehen kann, erleidet man es. Wenn man es ertragen kann, erträgt man es, wenn man es nicht ertragen kann, erhebt man die Stimme und weint.“
Wenn man weint, wie unterscheidet er sich dann von anderen Menschen mit der Vorstellung eines Selbstes?“
„So wie ein hölzerner Glockenschlägel die Glocke schlägt, ertönt seine Stimme ganz natürlich. Warum sollte man das unbedingt Selbst nennen. Wenn du dich angesichts eines gewaltsamen Todes an den Geist klammerst, die Zähne zusammenbeisst und deinen Mund verschliesst, ruft gerade das ein gigantisches Selbst hervor.“
„Wenn Menschen aus Trauer weinen, ist es eine heftige Gefühlsbewegung. Warum ist es das gleiche wie der Ton einer Glocke?“
„Über Gleichheit oder Ungleichheit zu reden zeigt nur deine Unruhe. Nur falsche Ansichten und gedankliches Abwägen erzeugen diese Frage. Wenn dein Geist frei von Urteilen und Wertungen ist, wirkt der Weg gemäss seinem Wesen.“
„Ich habe gehört, dass Waffen den Erleuchteten nicht verletzen, dass Leid ihn nicht erschüttert, dass Form ihn nicht irreführt und dass Geist sich nicht bewegt. Was bedeutet das?“
„Wenn man erkannt hat, dass alle Dinge Nichtselbst sind, dann ist Stimme oder keine Stimme, Bewegung oder keine Bewegung alles in Übereinstimmung mit dem Weg, ohne Hindernis oder Schwierigkeit.“
Enmon fragt: „Die auf dem Weg Übenden, die ich sehe, halten sich kaum an die Gebote, ihr Verhalten ist nicht sorgfältig, sie unterweisen die Menschen nicht und lassen den Dingen ihren Lauf. Was ist die Absicht?“
„So jemand will jedes Urteil, jede Wertung zunichte machen und jede Vorstellung zerstören. Sein Vorgehen mag ziellos erscheinen, aber seine Übung im Innern ist grenzenlos.“
„Wie könnte man sagen, dass jemand mit solch einer kindischen Einstellung seine falschen Vorstellungen zunichte machen kann?“
„Mach zuerst Deine eigenen Vorstellungen zunichte. Warum sorgst du dich über die Vorstellungen von anderen. Warum sollte z.B. ein Fisch, der aus der Tiefe eines Sees kommt, darüber besorgt sein, ob der Fischer ihn mag oder nicht.“
„Bedeutet es nicht, dass so jemand nur an seinen eigenen Vorteil denkt und anderen schadet? Wie könnte er Bodhisattva genannt werden?“
„Wenn dieser Gedanken nicht in Dir entsteht, entsteht er auch nicht in anderen. Du denkst über die Vorstellungen von anderen nach, aber gerade dies sind Vorstellungen, die in dir entstanden sind, nicht in anderen.“
„Inwiefern würde es der Wahrheit schaden, wenn jemand, der innerlich im Mahayana Buddhismus erfahren ist, sich nach aussen hin entsprechend dem Hinayana Buddhismus verhält?“
„Jetzt willst du einen Mann dazu bringen, Kinderspiele mitzumachen, wie soll das der Wahrheit dienen?“
„Ich frage mich wer einen Bodhisattva, der seine Vorstellungen zunichte gemacht hat, erkennen würde. Wer würde in der Lage sein, ihn zu verstehen?“
„Nur ein Erleuchteter kann ihn verstehen, nur ein Geübter kann ihn erkennen.“
„Ist ein Boddhisattva in der Lage, einen anderen zu führen?“
„Wie könnte es sein, dass die Sonne und der Mond Dinge nicht bescheinen, oder dass es nicht hell würde, wenn man die Lampe hochhält.“
„Welche Hilfsmittel hat er?“
„Direkt , so wie es ist. Ohne Hilfsmittel!“
„Wie kann man anderen Menschen ohne Hilfsmittel von Nutzen sein?“
„Ein Ding taucht auf und wird benannt. Eine Sache entsteht und wird erwidert. Ohne Geist, der abwägt und vergleicht, ohne Gelegenheit im voraus zu planen.“
„Ich habe gehört, dass Buddha nach sieben Tagen des Sichversenkens seine Hilfsmittel ersann. Wie kann man behaupten, es gäbe keinen abwägenden, vergleichenden Geist?“
„Buddhas Erleuchtung kann nicht durch abwägendes Denken oder durch Vorstellungen verstanden werden.“
„Wie könnte ein Buddha lügen?“
„Buddhas Worte sind die Wahrheit, keine Lüge.“
„Obwohl in dem Sutra steht, dass Buddha nachsann, sagst du jetzt, dass er nicht nachsann?“
„Als Hilfsmittel zur Führung“
„Woher kommen die Buddhas und ihre Hilfsmittel?“
„Die verschiedenen Buddhas sind nicht geboren. Sie sind Produkte des Geistes. Abhängig von Ursachen gibt es sie, aber der Dharma hat ursprünglich keinen Namen.“
Enmon fragt: „Ich verstehe nicht: Was ist es, was Buddha genannt wird? Was ist es, was Weg genannt wird? Was ist es, was Wandel genannt wird? Was ist es, was Dauer genannt wird?“
Nyuri antwortet: „Erleuchtet zu Nichtding wird Buddha genannt. Was alles durchdringt, wird Weg genannt. Die Dinge, die in Erscheinung treten, werden Wandel genannt. die äusserste Ruhe wird Dauer genannt.“
„Die verschiedenen Erscheinungen sind alle nichts anderes als Buddhas Wahrheit. Was bedeutet das?“
„Weder Wahrheit noch Nichtwahrheit, das ist Buddhas Wahrheit.“
„Was wird Wahrheit genannt und was wird nicht Wahrheit genannt? Was wird weder Wahrheit noch nicht Wahrheit genannt?“
„Wahrheit nennt man Wahrheit. Nichtwahrheit nennt man Nichtwahrheit. Weil es jenseits aller Unterscheidungen ist, nennt man es weder Wahrheit noch Nichtwahrheit.“
„Wer bezeugt die Wahrheit dieser Behauptung?“
„Diese Behauptung hat nichts zu tun mit „Wer“. Warum sollte es nötig sein, sie zu bezeugen?“
„Was wird gelehrt ohne ein „Wer“?“
„Kein „Wer“ , keine Behauptung. Das ist Wahrhaftig die richtige Behauptung.“
„Was Wäre eine falsche Behauptung?“
„Der Gedanke, die Befangenheit, dass es etwas zu behaupten gäbe.“
„Wer denkt, wer ist befangen? Wäre das kein Gedanke?““
„Gedanke, das ist nur ein Wort. Worte haben keine Substanz, deshalb sind auch Gedanken leer.“
„Nach dieser Lehre wären alle Menschen von Anbeginn an befreit.“
„Es gibt nicht mal Fesseln, wie sollte es freigewordenen Menschen geben.“
„Wie sollte man diese Wahrheit nennen?“
„Es gibt nicht mal eine Wahrheit, geschweige denn einen Namen.“
„Wenn du das so sagst verstehe ich es noch viel weniger.“
„Es gibt wirklich keine Wahrheit zu verstehen. du musst nicht nach Verstehen suchen.“
„Zuletzt was?“
„Kein Anfang, kein Ende.“
„Wie könnte es keine Ursache und Wirkung geben?“
„Ohne Anfang gibt es kein Ende.“
„Wie kann das bewiesen werden?“
„Wahrheit ist nichts, was man beweisen müsste.“
„Wie weiss  und sieht man es?“
„Indem man weiss, dass alle Dinge die Wahre Soheit sind. Indem man sieht, dass alle Dinge gleich sind.“
„Welcher Geist weiss? Welches Auge sieht?“
„Ohne Wissen weiss man Ohne Sehen sieht man.“
„Wer macht diese Behauptung?“
„Genau das frage ich auch.“
„Was soll das heissen: Genau das frage ich mich auch?“
„Darüber solltest du selbst nachdenken. Die Antwort wird ganz natürlich auftauchen.“
Hier denkt Enmon noch einmal über alles nach, ist ruhig und gelassen, ohne ein Wort zu sagen. Nyuri fragt Enmon: „Warum sagst du nichts?“
Enmon antwortet: „Da ist nichts, nicht einmal so etwas wie ein Stäubchen, und keine Erwiderung, die zu machen wäre.“
Hierauf sagt Nyuri sogleich zu Enmon: Es scheint, als ob du jetzt gerade das Prinzip der Wahrheit gesehen hättest.“
Enmon fragt: „Warum habe ich, obwohl es scheint, als ob ich gesehen hätte, nicht richtig gesehen?“
Nyuri antwortet: „Du hast gesehen, dass nicht einmal ein einziges Ding existiert. Das ist wie jemand, der gelernt hat seinen Körper zu verstecken, aber unfähig, seinen Schatten und seine Fussspuren zunichte zu machen.“
Enmon fragt: Wie kann man den Körper und den Schatten zusammen verschwinden lassen?“
Nyuri antwortet: „Ursprünglich gibt es weder Geist noch Objekt. Du solltest nicht die Vorstellung aufkommen lassen, dass Dinge erscheinen und vergehen.“
„Der gewöhnliche Mensch fragt, weil er ein gewöhnlicher Mensch ist. Der Erleuchtete lehrt, weil er ein Erleuchteter ist. Stimmt das?“
„Der gewöhnliche Mensch fragt weil er Zweifel hat. Der Erleuchtete lehrt, um diese Zweifel zu entwirren.“
„Ich höre, dass ein Erleuchteter von sich aus lehrt, auch wenn niemand ihn fragt. Was gibt es denn da zu entwirren. Gibt es eine Wahrheit auf Seiten des Erleuchteten, die gelehrt werden sollte, oder ist es, weil er die Zweifel in den anderen erkennt?“
„Er ist das Verteilen von Medizin, entsprechend der Krankheit. Wenn der Himmel donnert, gibt es darauf mit Sicherheit einen Widerhall. Das ist das gleiche.“
„Der wunderbare, weise Buddha hatte keine Absicht, in dieser Welt geboren zu werden. Warum ist der dennoch erschienen?“
„In Friedenszeiten wächst segensreiches Gras ganz natürlich.“
„Obwohl nicht zu erwarten ist, dass sich die Lebensspanne eines Buddha erschöpft, stirbt er. Warum?“
„In der Dürre sterben die fünf Kronen aus.“
„Soviel ich weiss, erhob sich der Erleuchtete aus Erbarmen aus tiefer Versenkung und voll Güte führte er viele Menschen zur Erleuchtung. Wie kann diese ungehinderte, grosse Durchdringungskraft für das gleiche wie segensreiches Gras gehalten werden?“
„Versenken ist der Dharmakörper. Der Körper der Vergeltung besteht aus vier Elementen und ist der stoffliche Leib. Das, was angesichts verschiedener Dinge in Erscheinung tritt, ist der Körper der Verwandlung ist keinen Bedingungen unterworfen. Ob er in Erscheinung tritt oder verborgen bleibt, er ist leer und durchdringt, deshalb nennt man ihn ungehindert.“
„Was ist es, was Erbarmen genannt wird?“
„Der Körper der Verwandlung ist frei von Wertungen und eins mit der Wahren Leere. Sein Wohlwollen gegenüber allem ist frei von Geist. Das wird Erbarmen genannt.“
„Wann wird es möglich sein, dass die Menschen den Weg meistern und zum Buddha werden?“
„Wenn sie nicht erleuchtet sind, werden sie , selbst wenn sie sich so unzählbar lange Zeit wie der Sand am Ufer des Ganges auf dem Weg üben, von der Erleuchtung entfernt sein. Wenn sie von Anfang an erleuchtet sind, sind sie bereits so wie sie sind, Buddha. Warum darüber diskutieren, ob sie Buddha werden können oder nicht.“
„Wenn es so ist, wie du sagst, ist es einfach, zum Buddha zu werden. Warum wird dann über die drei Kalpas der Übung geredet?“
„Wirklich unwahrscheinlich schwierig.“
„Wenn Menschen bereits so wie sie sind, Buddha sind, warum ist es so schwierig?“
„Den Geist zu erheben ist einfach, den Geist zunichte zu machen ist schwierig. Das Selbst zu bejahen ist einfach, das Selbst zu verneinen ist schwierig. Tun ist einfach, Nichttun ist schwierig. Grundlegende Erfahrungen sind schwer zu erfassen und es ist schwierig, mit dem unergründlichen Prinzip überein zustimmen. Das Unbewegte ist die Wahrheit, dem kaum die drei Heiligen gleichkommen.“
Hier stösst Enmon einen grossen Seufzer aus. dieser Laut dehnt sich in die zehn Richtungen aus. Plötzlich erstarb der Laut, er war durch und durch erleuchtet. Tiefes Licht reiner Weisheit leuchtete aus sich selbst. Zum ersten Mal wusste er, wie schwer es ist, den Weg zu erfassen, und dass er bis jetzt seinen wertenden Gedanken mutwillig, wie in einem Traum, freien Lauf gelassen hatte. Und mit lauter Stimme pries er: „Es ist wunderbar, wunderbar. Mein Meister, du hast gelehrt, ohne zu lehren, und ich habe gehört, ohne zu hören. Wenn Hören und Lehren übereinstimmen, ist alles still und weit, ohne Worte. Wie würdest du, Meister, den vorhergegangenen Dialog nennen?“
Meister Nyuri sitzt gelassen und ruhig. Mit leuchtenden Augen, ohne etwas zu erwidern, blickt er in die vier Richtungen. Er lacht, gluckst und sagt zu Enmon: „Die höchste Wahrheit ist unergründlich und nicht zu benennen. Alle deine vorhergegangenen Fragen waren Spekulationen und Produkte deines Geistes. In einem Traum gibt es viele Dinge, aber wenn man aufwacht, ist nichts davon übrig. Du willst diesen Dialog in der Welt verbreiten und bittest mich, ihm einen Namen zu geben. Wenn auch die letzten Rückstände verschwinden, dann nenn es: „Dialog über das Auslöschen der Anschauung“.“

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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