ZENPOSAN BENDOJI
ZenDojo Bern
DHARMA
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SHODOKA


Yoka Genkaku – Yung-chia Hsüan-chüeh hi, 665 -713
Das Lied der Erleuchtung


1 Siehst du jenen Zen-Schüler dort? Er hat vergessen, was er gelernt hat, trotzdem übt er völlig natürlich und frei, was er gelernt hat, und auch, was er noch lernen soll. Er lebt in Gelassenheit, ruhig und zufrieden. Er ist frei von allen Sorgen, trotzdem handelt er spontan und vernünftig.


2 Weder bemüht er sich, die Illusionen zu meiden noch die Wahrheit zu suchen. Er weiß, daß Illusionen unwirklich sind und daß er selbst die Wahrheit ist. Für ihn ist das wahre Wesen der Unwissenheit Buddha-Natur und das wahre Wesen des vergänglichen Körpers Dharmakaya, der ewige Körper des Buddha.


3 Wenn jemand eins wird mit dem Dharmakâya, gibt es nichts mehr außerhalb von ihm. Er selbst ist die Quelle aller Dinge, und sein wahres Wesen ist eine andere Bezeichnung für den ewigen Buddha.


4 Materielle Dinge und geistige Erscheinungen kommen und gehen wie Wolken am blauen Himmel. Gier, Zorn und Unwissenheit, diese drei Schäume, entstehen und vergehen wie eine Luftspiegelung auf dem Ozean.


5 Wer die Wahrheit begreift, täuscht sich nicht hinsichtlich seiner persönlichen Wünsche noch seiner selbstbegrenzten Vorstellungen. Er weiß, daß es das Ego als solches in ihm nicht gibt, und durchschaut ganz klar die Leere aller Formen, die nichts als Schatten sind in Bezug auf die objektiven und subjektiven Elemente. Wenn du so im Zen lebst, kannst du die Hölle in deinen Träumen von gestern lassen und dir dein Paradies einrichten, wo immer du bist. Diejenigen ohne Erkenntnis, die mit ihrem falschen Wissen die Menschen betrügen, werden sich im eigenen Leben eine Hölle schaffen.


6 Im selben Augenblick, in dem du Buddhas Zen erlangst, sind die sechs Vollkommenheiten und zehntausend gute Taten bereits in dir verwirklicht.


7 In deinen Träumen gibt es sechs Pfade, sobald du aber erwachst, lösen sie sich auf in nichts.


8 Keine Sünde, kein Glück, kein Gewinn, kein Verlust. Diese Dinge suchst du umsonst in der Geistessenz.


9 Du hast schon lange nicht mehr deinen Spiegel vom Staub befreit. Der Augenblick ist gekommen, seinen Glanz klar zu erkennen.


10 Wer denkt Nicht-Denken und wer erkennt die Nicht-Existenz? Wenn es wirklich die Nicht-Existenz ist, kannst du nicht daran denken.


11 Frage eine Puppe, ob sie glücklich sei oder nicht. Solange du danach strebst, ein Buddha zu werden. Ganz gleich, wie sehr du dich auch darum bemühst, wirst du nie einer werden.


12 Hafte nicht an den vier Elementen.
Iß und trink, wie es deiner wahren Natur entspricht. Die Dinge sind vergänglich; deshalb sind sie leer. Das ist Buddhas Erleuchtungserfahrung


13 Ein wahrer Schüler des Buddha spricht die höchste Wahrheit. Wenn du mit dem, was ich sage, nicht einverstanden bist, können wir ruhig darüber diskutieren.


14 Erinnere dich aber daran, daß sich der Buddhismus mit der Wurzel der Wahrheit beschäftigt, und nicht mit den Asten und Blättern.


15 Die meisten Menschen erkennen das Mani-Juwel, den Edelstein der Weisheit, nicht. Er ist im geheimen Reich des Tathâgata verborgen, wo er darauf wartet, entdeckt zu werden.


16 Die sechs Sinne und die sechs Welten sind miteinander verwoben und machen das Leben zu dem, was es ist. Als Ganzes gesehen ist es eine Illusion, doch gibt es nichts, was Illusion genannt werden könnte. Der vollkommene Glanz des Mani-Juwels, des Edelsteins der Weisheit, scheint auf die Menschheit. Es hat weder Farbe noch Form, noch hat es Nicht-Farbe oder Nicht-Form.


17 Entfalte die fünf Sichtweisen und eigne dir die fünf Kräfte an. Das kannst du aber nur durch die Zen-Meditation, die über jegliche Theorie hinausgeht.


18 Es ist nicht schwer, in einem Spiegel Bilder zu sehen. Unmöglich aber ist es, die Spiegelung des Mondes auf dem Wasser einzufangen. Ein Schüler des Zen sollte stets alleine gehen. Diejenigen, die die Erleuchtung erlangt haben, gehen alle auf demselben Weg des Nirvana.


19 Jeder von ihnen hat eine ganz natürliche Art und ist rein und zufrieden im Herzen. Da sich keiner von ihnen in besonderer Weise um Aufmerksamkeit bemüht, schenkt ihm niemand besondere Beachtung. Die Anhänger Buddhas sind für ihre Armut bekannt. Die Einfachheit ihrer Lebensart kann ärmlich genannt werden, nicht aber ihr Zen. Die alte und vielfach geflickte Robe des Mönchs zeigt der Welt seine Armut; sein Zen, verborgen für andere, ist ein Schatz von unermeßlichem Wert. Ganz gleich, wie oft man das Juwel der Weisheit auch anwendet, es verliert dadurch nichts von seinem kostbaren Wert. Man kann alle, die seiner bedürfen, daran teilhaben lassen.


20 Die drei Körper des Buddha und die vier Arten der Weisheit sind vollkommen in ihm enthalten; die acht Befreiungen und sechs wundersamen Kräfte sind tief in ihm eingeprägt.


21 Ein hervorragender Schüler des Zen strebt gleich die höchste Wahrheit an. Ein mittelmäßiger oder guter Schüler lernt gerne von anderen, doch fehlt ihm das starke Vertrauen.


22 Wenn du dich der zerschlissenen Hüllen deiner vorgefaßten Meinungen entledigst, wirst du dein wahres Selbst erkennen. Was hat es dann noch für einen Sinn, sich um Äußerlichkeiten zu bemühen?


23 Es gibt vielleicht Menschen, die den Zen verleumden oder Einwände dagegen erheben. Sie spielen mit dem Feuer; sie versuchen vergeblich, den Himmel in Brand zu setzen. Für den wahren Zen-Schüler sind ihre Worte süßer Nektar. Aber selbst diesen vergißt er, wenn er den Bereich des Nicht-Denkens betritt.


24 Schimpfworte betrachte ich als tugendhaft und den, der sie äußert, als Lehrmeister. Ich werde den Verleumder aber weder begünstigen noch anfeinden. Warum soll ich also die beiden Kräfte der Beharrlichkeit - das Wissen um das Ungeborene und die Liebe zu allen Lebewesen - zum Ausdruck bringen?


25 Wer Zen erlangt, muß es auch ausdrücken können. Meditation und Weisheit müssen in ihrem vollen Glanz erstrahlen, ohne von irgendeiner Vorstellung von Leere verschleiert zu werden.


26 Diese Errungenschaft ist nicht nur wenigen vorbehalten. Das bezeugen die Buddhas, die so zahlreich sind wie die Sandkörner am Ganges. Die Zen-Lehre der Furchtlosigkeit gleicht dem mächtigen Brüllen des Löwen, das andere Tiere in Angst und Schrecken versetzt. Selbst der König der Elefanten vergißt seinen Stolz und läuft davon. Mutige Schüler aber lauschen dem Brüllen mit Gelassenheit, genau wie der Drache.


27 Zen-Schüler reisen zu Lande und zu Wasser, überqueren Flüsse und Berge, besuchen Klöster und holen sich Unterweisung bei Lehrmeistern. Auch ich bin jenem Weg gefolgt, und so kam ich nach Sokei, wo ich meinen Meister traf und das Dhamma erhielt. Ich weiß jetzt, daß mein wahres Wesen mit Geburt und Tod nichts zu tun hat.


28 Ein Zen-Schüler geht und sitzt im Zen. Ob im Reden oder im Tun, im Schweigen oder im Nichtstun, sein Körper verweilt in der Ruhe.Er lächelt selbst beim Anblick des Schwertes, das sein Leben beenden wird. Sogar im Augenblick des Todes bleibt er gelassen. Auch Drogen bringen ihn nicht aus der Ruhe.


29 Unser großer Lehrmeister Shâkyamuni begegnete vor Millionen von Jahren dem Dipankara Buddha und nahm sein Dhamma an. Seither ist er ein Meister des Kshânti, der Geduld, von einem Leben zum anderen.


30 Der Mensch wird unzählige Male geboren und stirbt folglich auch unzählige Male. Leben und Tod gehen endlos weiter.


31 Wenn jemand die wahre Bedeutung von "Geburtlosigkeit" erfaßt, geht er über Trauer und Freude hinaus.


32 Im Gebirge zwischen alten Kiefern lebt er allein in einer Hütte. In der Ruhe dieses Ortes meditiert und lebt er zufrieden.


33 Diejenigen, die das Dhamma verstehen, handeln immer natürlich. Die meisten Menschen auf dieser Erde leben in Samskrita, Zen-Schüler aber leben in Asamskrita.


34 Jene, die anderen etwas geben, um dafür etwas zu bekommen, schießen Pfeile himmelwärts.


35 Der Pfeil, der zum Himmel geschossen wird, kehrt zur Erde zurück. Wenn sich Einsatz und Ergebnis die Waage halten, bleibt nichts übrig.


36 Ganz etwas anderes ist es, sich ohne Hoffnung auf Belohnung zu bemühen. Dann öffnet sich das Tor der Wahrheit, und wir betreten den Garten des Tathâgata.


37 Ein wahrer Schüler des Zen beachtet nicht die Blätter und Aste, sondern zielt auf die Wurzel. Es ist wie die Spiegelung des Mondes im Wasser einer Schale aus Jade. Jetzt kenne ich die wirkliche Schönheit des Mani-Juwels, des Edelsteins der Befreiung, der anderen und mir unendlichen Segen bringen wird.


38 Der Mond steigt über dem Flusse auf, der Wind spielt leise in den Kiefern am Ufer die ganze Nacht lang. Was bedeutet diese Ruhe?


39 Erkenne, daß die Gesetze der Buddha-Natur klar im Herzensgrund eingeprägt sind. Tau, Nebel, Wolke und Dunstschleier reichen, um den ursprünglichen Menschen zu kleiden.


40 Eine Bettelschale besiegte einst Drachen, und ein Stab besänftigte streitende Tiger. Der Stab hatte sechs kleine Ringe an der Spitze, deren Rasseln die Leute aus ihren Träumen erweckte. Die Eßschale und der Stab sind nicht nur Symbole der Lehre, sondern verrichten noch immer Tathâgatas Werk hier auf Erden.


41 Ein idealer Zen-Schüler sucht weder das Wahre noch meidet er das Unwahre. Er weiß, daß dies nichts als dualistische Gedanken sind, ohne Form.


42 Nicht-Form ist weder leer noch nicht-leer. Sie ist die wahre Form der Weisheit des Buddha. Der Spiegel des Herzens erleuchtet alles ohne Unterschied. Seine endlosen Strahlen dringen bis in die letzten Winkel des Weltalls. Ohne Ausnahme wird alles darin widerspiegelt.


43 Das ganze Universum ist ein Juwel des Lichts, das weder Innen noch Außen kennt. Wenn ein Zen-Schüler die Leere einseitig versteht, übersieht er das Gesetz von Ursache und Wirkung. Er wird ziellos leben, mit bösen Gedanken und schlechten Taten. Seine Vorstellungen sind krankhaft, da er allem die Existenz abspricht, der Leere selbst aber eine solche einräumt. Um sich vor dem Ertrinken zu retten, hat er sich ins Feuer gestürzt.


44 Wer alle Täuschungen ablegt, um die Wahrheit zu suchen, wird vielleicht seine Urteilskraft schulen, er wird aber nie die Erleuchtung erlangen, weil er seinen Feind für sein eigenes geliebtes Kind hält. Der Mensch läßt sich den spirituellen Schatz entgehen und kommt um seine Verdienste, Weil er sich an die dualistische Denkweise hält und die Geistessenz vernachlässigt. um das Tor des Zen zu durchschreiten, muß er diesen Fehler korrigieren. Dann kann er die Weisheit erlangen, um den Palast des Nirvana zu betreten.


45 Der wahre Schüler des Zen trägt das Schwert des Prajñâ (der Weisheit der Befreiung), dessen Klinge so scharf ist, daß man die Flammen um sie herum spürt.


46 Es durchschneidet die Täuschungen nicht-buddhistischen Denkens ebenso wie den überheblichen Stolz der himmlischen Teufel. Manchmal verkündet der Schüler die Lehre wie ein Gewitter, Andere Male strömt er den sanften Regen der Herzensgüte aus. Sein Gang gleicht dem des Elefantenkönigs, dennoch liebt er alle Lebewesen. Er unterweist fünf Schüler unterschiedlichster Natur und führt sie alle zur Buddhaschaft, auch wenn sie durch die drei verschiedenen Tore zu ihm gekommen sind. Das kostbare Gras des Himalaya ist das einzige, das du auf dieser Wiese findest. Die Kühe, die dort grasen, geben die beste Milch, aus der man den geschmackvollsten Käse gewinnt.


47 Die Lehren des Zen sind genauso rein. Wenn der menschliche Charakter geläutert wird, ist er der Charakter aller Lebewesen; Wenn das Gesetz der Menschheit erfüllt ist, ist es das Gesetz des Universums. Ein Mond spiegelt sich in vielen Gewässern. Zahllose Spiegelungen sind nichts als das Abbild des einen Mondes.


48 Der Dharmakâya aller Buddhas wird zu meinem inneren Wesen, das eins wird mit dem Tathâgata. Ein Stadium der Meditation enthält alle anderen in sich; Die Geistessenz wird durch Farbe, Form, Gedanke oder Tätigkeit nicht eingeschränkt.


49 Ein Schnippen mit den Fingern, und achttausend Tore der Lehre öffnen sich. Ein Augenzwinkern, und zahllose Zeitalter lösen sich in nichts auf.


50 Unzählige Namen und Kategorien haben nichts mit meiner Erleuchtung zu tun. Man kann die Erleuchtung weder loben noch tadeln. Wie der Himmel kennt Wahrheit keine Grenzen.


51 Wo du auch stehst, bist du von ihr umgeben.Wenn du sie anstrebst, wirst du sie nicht erreichen. Deine Hand kann sie nicht festhalten, genausowenig wie dein Geist sie aussperren kann. Wenn du aufhörst, danach zu suchen, ist sie mit dir. Im Schweigen verkündest du sie laut. Wenn du sprichst, verkörperst du ihr Schweigen. So öffnet weit sich das Tor des Mitgefühls zum Wohl aller lebendigen Wesen.


52 Wenn jemand mich fragt, welchen Zweig des Buddhismus ich studiert habe, erzähle ich ihm über Mahâprajñâ, den Kern der Lehre.


53 Ohne Mahâprajñâ bist du, auch wenn du Recht und Unrecht erkennst, noch nicht bei der Wahrheit angelangt. Mit dem Kern der Lehre aber befindest du dich stets im Lande der Wahrheit.


54 Viele, viele Leben lang habe ich mich mit Mahâprajñâ befaßt; und ich sage das nicht, um dir etwas vorzumachen. Ich erhielt den Auftrag, die Lehre zu verbreiten; Buddha hat ihn mir von Generation zu Generation gegeben. Das Licht der Weisheit wurde erst dem Mahâkâshyapa übertragen, und von ihm in direkter Linie weiter bis zum achtundzwanzigsten Patriarchen. Bodhidharma, der "indische Patriarch", überquerte die Meere und kam in dieses Land. Mein Lehrmeister in Sokei erhielt seine Robe und wurde der Sechste Patriarch Chinas, wie du gehört hast. Wer weiß, wie viele Generationen die Lehre in Zukunft weitertragen werden.


55 Das Wahre besteht nie ganz für sich - das Unwahre besteht nie ganz für sich. Wenn sich die Vorstellung von Existenz und Nicht-Existenz auflöst, verschwindet die Vorstellung von Leere und Nicht-Leere.


56 Das Sutra erwähnt zwanzig verschiedene Bezeichnungen für die Leere, die alle für denselben Körper der Buddha-Natur stehen.


57 Der Geist regt sich und kommt mit der Außenwelt in Kontakt. Dadurch entstehen Täuschungen. Subjektivität und Objektivität sind wie Staub auf der Oberfläche eines Spiegels. Wenn der Spiegel staubfrei ist, erstrahlt er im Glanz. Wenn der Geist sich nicht regt, gibt es keinen Kontakt und keine Täuschungen, und es erscheint das wahre Wesen des Menschen. Traurig ist es, in Zeiten zu leben, in denen Dhamma nicht praktiziert wird und böse Gedanken gedeihen. Die Menschen sind nicht imstande, die wahre Lehre anzunehmen und Selbstdisziplin zu üben. Sie leben weit von der Wahrheit entfernt und halten an falschen Vorstellungen fest. Das Böse ist stark, die Schüler sind schwach, so verbreiten sich Angst und Haß. Auch wenn sie von der Lehre des Tathâgata hören, wollen sie nichts, als sie mit Füßen treten


58 Verlangen erzeugt Handeln, das dann zu Leiden führt. Es ist sinnlos, andere zu beschuldigen, wenn man erntet, was man selbst gesät hat.


59 Wer nicht in der Hölle leiden will, Sollte das Rad des Dhamma nicht verleumden.


60 Im Sandelhain wächst kein Baum von minderer Sorte; Seit Menschengedenken wohnen nur Löwen dort, Die frei im stillen, dunklen Hain umherstreifen.


61 Die anderen Tiere halten sich fern; nicht einmal Vögel fliegen herbei. Den älteren Löwen folgen nun ihre Jungen; von denen schon die dreijährigen Tiere laut brüllen. Wie kann ein jaulender Fuchs den König des Dhamma nachahmen? Selbst wenn hundert Dämonen ihr Maul weit aufreißen, ist es umsonst.


62 Die Lehre des Zen ist kein Thema für das Gefühl. Zweifel werden nicht durch Diskussionen aus dem Wege geräumt.


63 Ich bestehe auf dein Schweigen, um dich vor dem Fallstrick von Sein und Nicht-Sein zu retten.


64 Falsch ist nicht immer falsch, und richtig nicht immer richtig. Wenn du an vorgefaßten Meinungen festhältst, ist der kleinste Unterschied schon eine unüberbrückbare Entfernung. Wenn sie den Ursprung erreicht, tritt die kleine Schlange in die Buddhaschaft ein; Selbst der gelehrteste Schüler des Buddha erleidet die Qualen der Hölle, wenn er die Essenz nicht berührt.


65 Von meiner frühen Jugend an habe ich Wissen über den Buddhismus angehäuft, indem ich Sutras und Shâstras studierte. Ich war so beschäftigt, die vielen Begriffe der Lehre zu ordnen, daß ich nicht einmal Zeit zum Ruhen fand. Ich mühte mich aber umsonst ab, wie einer, der am Strande Sandkörner zählt. Ich hatte das Gefühl, daß Buddha mich tadeln wollte, als ich diese Worte im Sutra las: Was hat es für einen Sinn, den Preis des Vermögens deines Nächsten zu nennen?


66 Jahrelang bewegte ich mich in die falsche Richtung, wie ein verlorener Sohn, der fern von zu Haus herumirrt.


67 Ein Mensch, der die falschen Voraussetzungen hat, versteht die Dinge nur selten richtig. Es ist für ihn schwierig, die plötzliche Weisheit des Tathâgatha zu erlangen. Zwei der fünf Arten von Schülern suchen die Befreiung nur für sich selbst, nicht aus Liebe zu anderen Lebewesen. Weltliche Gelehrte haben ein dualistisches Wissen, aber nicht Prajñâ, die Weisheit der Befreiung.


68 Menschen, die kindisch und dumm sind, irren abseits der Erleuchtung umher. Wenn sie eine geschlossene Faust sehen, glauben sie, daß etwas darinsteckt.


69 Zeigst du mit deinem Finger auf den Mond, unterhalten sie sich über den Finger, nicht über den Mond. Ihr Denken geht über die fünf Sinne nicht hinaus, während sie in der materiellen Welt Versteck spielen.


70 Einer, der nichts anderes sieht als die Geistessenz, ist der Tathâgata selbst. Ihn sollte man Avalokiteshvara nennen: derjenige, der die Welt mit Weisheit und Mitgefühl klar sieht. Wenn einer die Wahrheit begreift, weiß er, daß selbst karmische Hindernisse keine Wesenheit haben. Wer aber nicht weiß, was wahre Leere ist, macht sich Sorgen wegen Schulden und Guthaben.


71 Der Hungrige lehnt das königliche Mahl ab. Wie sollen die Kranken behandelt werden, wenn sie sich vom guten Arzt abwenden?


72 Hast du die Weisheit des Prajñâ, kannst du Zen auch in der Welt der Begierden üben. So wie die Lotosblume im Feuer nicht verbrennt, kann nichts dein Zen zerstören. Obwohl Yuse, ein Mönch, einst die wichtigsten Gebote übertrat, ging er, ohne zu zögern, weiter und erreichte Nirvana; Das reine Land, das er erbaute, existiert immer noch.


73 Das Buddha-Dhamma macht jeden furchtlos. Wie schade, daß dumme Gemüter diese Tatsache nicht wahrhaben wollen!


74 Sie denken nur an Gewinn und Verlust, wenn sie die Gebote befolgen, und vergessen, daß sie noch immer ohne fremde Hilfe die geheime Tür des Tathâgata öffnen können.


75 In der Vergangenheit brachen zwei Mönche einmal die Gebote. Der Obermönch, Upali, dachte mit seinem beschränkten Verständnis, daß für sie nun keine Hoffnung mehr bestehe. Vimalakirti aber, ein Laie, löste die Wolken ihrer Zweifel, genau so wie warmes Sonnenlicht den Frost schmilzt, und sie erfuhren die Wahrheit. Die wunderbare Kraft der Befreiung!.Sie kommt in vielfachster Weise zum Tragen und ist unerschöpflich. Man sollte vier Arten von Opfergaben darbieten für diesen Schatz. Wenn du dafür bezahlen möchtest, würde eine Million Goldstücke nicht ausreichen.


76 Wenn du alles opfern würdest, was du besitzt, wäre deine Schuld damit noch nicht beglichen. Doch schon ein paar Worte aus deiner Erleuchtung tilgen jegliche Schuld, ganz gleich, wie weit sie zurückreicht.


77 Wie die Erleuchtung zahlloser Tathâgatas beweist, ist Zen die höchste aller Lehren, der König des Dhamma. Jetzt weiß ich, was das Mani-Juwel ist, und überreiche es hiermit jedem, der es entsprechend empfängt. Aus der Sicht der Erleuchtung gibt es nichts zu sehen: weder Mensch noch Buddha. Alle Dinge des Universums sind nichts als Blasen auf der Oberfläche des Meeres. Alle Weisen der Erde verschwinden mit einem Blitz.


78 Selbst im Augenblick des tödlichen Hiebes, bewahrt der Zen-Schüler wie üblich seine Gelassenheit. Er verweilt von Augenblick zu Augenblick in seiner Meditation. Nichts in der Welt kann sein Licht der Weisheit auslöschen. Die Sonne mag erkalten und der Mond sich erhitzen, aber selbst dann kann kein Dämon die höchste Wahrheit des Buddha-Dhamma vernichten. Der Elefant zieht den Wagen, Und es drehen sich die schweren Räder. Kann eine kleine Gottesanbeterin, die ihre Beine von sich streckt, ihnen den Weg versperren? Der Elefant ist nicht in Gesellschaft von Hasen zu finden. Die Erleuchtung geht weit über das bloße Denken hinaus. Schau nicht länger durch ein Schilfrohr zum Himmel hinauf; er reicht viel zu weit, als daß du ihn messen könntest. Es bleibt also nichts übrig, als daß du selbst die Erleuchtung verwirklichst. Komm noch in dieser Minute persönlich zu mir!

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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