ZENPOSAN BENDOJI
ZenDojo Bern
DHARMA

Inhalt

Shinjinmei

Shushogi

Das Diamant-Sutra

Fukanzazengi

Shodoka

Satipatthāna Sutta, Die Pfeiler der Einsicht

Zekkanron



 

DHARMA

Das Studium des ZEN ist das Leben und die Praxis mit einem Meister und einer Sangha aus Fleisch und Blut. Das Studium von Schriften allein ist nicht ausreichend. Den Meister lesen, die Sangha lesen heisst Sutren lesen. Nichts desto trotz ist das Studium der Worte unserer Dharmavorfahren und -zeitgenossen notwendig. Die Aussage Zen sei eine Tradition "ausserhalb der Schrift" wird sehr oft falsch verstanden. Dies hat bereits Dogen Zenji vor 800 Jahren festgestellt.

Hier sind das Shushôgi und das Shinjinmei in einer deutschen Übersetzung nachzulesen. Das Shushôgi ist eine Zusammenstellung von Dôgen Zenjis Worten aus dem Shôbôgenzo. Das Shushôgi hat 5 Kapitel

 

SHINSHIN MEI
( Kanchi Sôsan –Seng-ts`an)

1  Der höchste Weg
ist nicht schwierig,
nur ohne Wahl.

2  Hasse nicht,
liebe nicht,
dann ist es klar,
und eindeutig.

3  Gibt es auch nur die kleinste
 Unstimmigkeit, dann entsteht ein Unterschied,
so groß wie der zwischen Himmel und Erde.

4  Wenn man es
vor eigenen Augen haben möchte,
darf weder Richtig
noch Falsch existieren.

5  Der Kampf zwischen
Verschiedenheit und Übereinstimmung
führt zur Krankheit des Geistes.

6  Wer das subtile Prinzip nicht kennt,
müht sich vergeblich,
die Gedanken zur Ruhe zu bringen.

7  Es ist absolut,
Große Leere,
ohne Zuwenig,
ohne Zuviel.

8  Wirklich,
nur Ergreifen und Verwerfen
sind die Gründe
für Verschiedenheit.

9  Jage nicht
den Erscheinungen nach,
und verweile nicht
in der Vorstellung von Leere.

10  Im Einen
ist der Geist in Frieden,
und Verwirrung erschöpft sich von selbst.

11  Will man die Bewegung des Geistes
zum Stillstand bringen,
dann führt gerade dies
zur völligen Bewegung.

12  Wenn man lediglich
diesen beiden Extremen anhaftet,
wie könnte man
das Eine verstehen?

13  Das Eine
nicht zu durchdringen
bedeutet,
beides zu verfehlen.

14  Die Erscheinungen verbannen bedeutet
das Zunichte werden der Erscheinungen;
sich der Leere hingeben heißt der Leere widersprechen.

15  Viele Worte,
viele Gedanken -
je mehr es sind,
desto weniger
entsprechen sie.

16  Sind Worte und Gedanken abgeschnitten,
dann gibt es keinen Ort, der nicht durchdrungen ist.

17  Kehrt man zum Ursprung zurück,
so erlangt man das Prinzip; folgt man den
Widerspiegelungen, so verliert man die Essenz.

18  Ein Moment des Zurückkehrens
von den Widerspiegelungen
übertrifft sogar
das Reich der Leere.

19  Der Wandel
des Reiches der Leere
erscheint abhängig
von Täuschungen.

20  Du brauchst nicht
nach der Wahrheit zu suchen; laß nur unbedingt ab
von Überlegungen.

21  Verweile nicht
in dualistischen Anschauungen;
vermeide absolut,
ihnen zu folgen.

22  Existiert auch nur ein wenig Richtig und Falsch,
dann wird der Geist
in Verwirrung verloren.

23  Zwei existiert
abhängig vom Einen,
aber man darf auch nicht
bei dem Einen verharren

24  Wenn sich kein Geist erhebt, sind die
Zehntausend Erscheinungen ohne Fehler.

25  Keine Fehler,
keine Erscheinungen -
Nicht-Erheben,
Nicht-Geist.

26  Das Subjekt folgt dem Objekt und vergeht;
das Objekt folgt dem Subjekt und versinkt.

27  Das Objekt ist abhängig
vom Subjekt ein Objekt;
das Subjekt ist abhängig
vom Objekt ein Subjekt.

28  Wer diese beiden Aspekte verstehen möchte,
muß wissen, daß beides ursprünglich eine Leere ist.

29  Die eine Leere
ist gleichzeitig beides
und enthält alle
Zehntausend Erscheinungen.

30  Es gibt weder
Feines noch Grobes;
warum sollte es
einseitige Anschauung geben?

31  Der Große Weg an sich
ist ruhig und weit -
weder leicht
noch schwer.

32  Kleinliches Denken
führt zu Zweifel und Zaudern;
je mehr man eilt,
desto mehr bleibt man zurück

33  Anhaften bedeutet,
die Angemessenheit zu verlieren
und auf falsche Wege
abzukommen.

34  Loslassen ist
Natürlichkeit,
Soheit ist
ohne Gehen und Bleiben.

35 Sich dem eigenen Wesen anzuvertrauen,
ist Vereinigung mit dem Weg,
und die Sorgen werden zunichte,
als schlenderte man unbekümmert einher.

36  Wenn sich Gedanken fortsetzen,
widerspricht das der Wahrheit,
man versinkt in Dummheit
und ist unfrei.

37  Unfreiheit ermüdet den Geist;
wozu über Entfernung
und Nähe nachdenken?

38  Will man
das Eine Fahrzeug erlangen,
darf man keinen Widerwillen gegen
die sechs Arten des Staubes hegen.

39 Gegenüber den sechs Arten des Staubes
keinen Widerwillen hegen,
gerade das ist gleich
der vollkommenen Erleuchtung.

40  Der Weise tut nicht
ein Dummkopf fesselt sich selbst.

41  Im Dharma gibt es
keine Unterschiede;
willkürlich haftet man selbst
an den Dingen.

42  Mit dem Geist
den Geist anzuwenden -
ist das nicht
ein großer Fehler?

43  Irrtum erzeugt
Ruhe und Chaos;
Erleuchtung ist ohne
Zuneigung und Abneigung.

44  Alle dualistischen Anschauungen
beruhen auf willkürlichen
eigenen Erwägungen.

45  Ein flüchtiger Traum,
ein Augenschlag -
warum sich erschöpfen in dem Versuch,
diese zu erfassen.

46  Erlangen, verlieren,
richtig, falsch -
laßt all das
mit einemmal fahren.

47  Wenn das Auge nicht schläft,
vergehen die verschiedenen Träume
von selbst.

48  Wenn der Geist
keine Unterscheidungen trifft,
sind die Zehntausend Erscheinungen
Wie-Eins.

49  Wie-Eins an sich
ist unergründlich,
unverrückbar und frei
von Verwicklungen.

50  Betrachtest du
die Zehntausend Erscheinungen gleich,
dann kehrst du zurück
zum Natürlichen.

51  Sind die Ursachen vergangen,
dann gibt es
keine Vergleiche mehr.

52  Wird Bewegung angehalten,
so entsteht Nicht-Bewegung;
wird Ruhe bewegt,
so entsteht Unruhe.

53  Wenn beides schon nicht existiert,
wie könnte es dann das Eine geben?

54  Letztlich und endlich
gibt es keine Bestimmungen.

55  Übereinstimmender Geist
ist Gleichheit,
alle künstlichen Handlungen
vergehen zusammen.

56  Zaudern und Zögern
vollkommen erschöpft,
ist der wahre Glaube
harmonisch und direkt.

57  Nichts bleibt zurück,
keine Erinnerungen.

58  Reine Klarheit
erstrahlt natürlich,
ohne Anwendung
der Geisteskraft.

59  Der Ort des Nicht-Erwägens
ist mit Wissen oder Gefühl
nicht zu ergründen.

60  Im Reich
der Wahrheit an sich
gibt es weder
andere noch Selbst.

61  Möchte man unbedingt Entsprechung,
so sage ich nur:
Nicht-Zwei!

62  Nicht-Zwei!
alles ist gleich -
es gibt nichts
was nicht enthalten ist.

63  Die Weisen
aus den Zehn Richtungen
treten alle
in diese Wahrheit ein.

64  In der Wahrheit gibt es
weder Verkürzung noch Verlängerung,
ein Gedankenmoment
ist zehntausend Jahre.

65  Es gibt weder
Sein noch Nichtsein,
nur die Zehn Richtungen
vor unseren Augen.

66  Das Kleinste ist
gleich dem Größten,
die Grenzen zwischen
den Welten verschwinden.

67  Das Größte ist
gleich dem Kleinsten,
es gibt keine
festen Grenzen.

68  Sein ist gleich Nichtsein,
Nichtsein ist gleich Sein.

69  Wenn etwas nicht Soheit ist,
braucht man es nicht zu bewahren.

70  Eins ist Alles,
Alles ist Eins.

71  Kann man es
auf diese Weise vollbringen,
warum sich dann noch
um Unvollendetes sorgen.

72  Glaube an den Geist ist Nicht-Zwei,
Nicht-Zwei ist
Glaube an den Geist.

73  Der Weg der Worte ist zu Ende -
keine Vergangenheit.
Zukunft und Gegenwart.



Allgemeine Einführung,

Befreiung durch Reue,

Ordination und Erleuchtung,

Das selbstlose Gelöbnis ablegen,

Beständige Praxis und Dankbarkeit.

Das Shinjinmei ist der Text von Meister Sôsan, dem dritten Zenpatriarchen. Diesen Text machen wir im Zenposan Bendoji sehr beliebt und wird regelmässig auf Deutsch rezitiert

 

SHUSHÔGI ( Eihei Dôgen)

 

1. Allgemeine Einführung
Die wichtigste Angelegenheit für alle Buddhisten ist die gründliche Klärung der Bedeutung von Geburt und Tod. Ist der Buddha innerhalb Geburt und Tod, gibt es Geburt und Tod nicht. Verstehe einfach, dass Geburt und Tod in sich Nirvana sind; es gibt weder Geburt und Tod zu hassen noch Nirvana zu erstreben. Dann werden wir zum ersten Mal befreit sein von Geburt und Tod. Dieses Problem zu meistern, ist von höchster Wichtigkeit

Es ist schwierig, als menschliches Wesen geboren zu werden; selten trifft man auf die Lehre Buddhas. Jetzt, dank unserer guten Taten in der Vergangenheit, wurden wir nicht nur als Menschen geboren, wir sind auch auf die Lehre Buddhas gestoßen. Im Reich von Geburt und Tod ist diese gute Geburt die Beste; lasst uns nicht unser wertvolles menschliches Leben vergeuden, indem wir es in unverantwortlicher Weise den Winden der Unbeständigkeit preisgeben. Unbeständigkeit ist nicht verläßlich; wir wissen nicht, auf das Gras welcher Seite der Straße der Tau unseres vergänglichen Lebens fallen wird. Unsere Körper gehören nicht uns selbst, unser Leben wandelt sich mit dem Vergehen der Tage und kann nicht auch nur für einen Moment angehalten werden. Ist die rosenwangige Jugend einmal vergangen, finden wir nicht einmal ihre Spuren wieder.

Sorgfältiges Nachdenken zeigt, dass die meisten Dinge, einmal vergangen, uns nie wieder begegnen. Im Angesicht der Unbeständigkeit gibt es keine Hilfe von Königen, Staatsmännern, Verwandten, Dienern, Ehegatten, Kindern oder von Wohlstand. Wir müssen das Reich des Todes allein betreten, nur begleitet von unserem guten und schlechten Karma.

Vermeide in dieser Welt den Umgang mit verblendeten Leuten, die die Wahrheit der Kausalität und karmischen Vergeltung nicht kennen, die achtlos gegenüber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind und nicht Gut von Übel unterscheiden können. Das Prinzip der Kausalität ist offensichtlich und unpersönlich; denn unvermeidlich fallen jene, die Übles tun und jene die Gutes tun, steigen auf. Gäbe es keine Kausalität, wären weder Buddhas in dieser Welt erschienen noch wäre Bodhidharma aus dem Westen gekommen. Die karmischen Konsequenzen von Gut und Übel erscheinen zu drei unterschiedlichen Zeiten. Die erste ist Vergeltung, die in unserem jetzigen Leben erfahren wird, die zweite ist Vergeltung, die in dem diesem Leben folgenden erfahren wird, und die dritte ist Vergeltung, die in weiteren nachfolgenden Leben erfahren wird. Wenn wir den Weg der Buddhas und der Patriarchen praktizieren, sollten wir von Beginn an das Prinzip karmischer Vergeltung in diesen drei Zeiten studieren und klären. Ansonsten werden wir oft Fehler machen und in falsche Ansichten verfallen. Nicht nur werden wir in falsche Ansichten fallen, wir werden in üble Geburten fallen und langen Zeiten des Leidens unterworfen.

Verstehe, dass wir in dieser Geburt nur ein Leben haben, nicht zwei oder drei. Wie bedauerlich wäre es, wenn wir, in falsche Ansichten fallend, den Konsequenzen übler Taten unterworfen würden. Da wir denken, dass es nichts Übles ist, selbst wenn wir Übles tun, und uns fälschlich vorstellen, es gäbe keine Konsequenzen des Übels, gibt es für uns keine Möglichkeit, diese Konsequenzen zu vermeiden.

2. Befreiung durch Reue
Die Buddhas und Patriarchen, auf Grund ihres grenzenlosen Mitgefühls, haben das Riesentor des Mitleids geöffnet, um alle Wesen zum Erwachen zu führen. Wer unter Menschen und Göttern würde nicht eintreten? Auch wenn karmische Vergeltung für üble Taten in einer der drei Zeiten eintreten muss, vermindert Reue den Effekt oder vernichtet das schlechte Karma und bringt Reinheit hervor. Daher sollten wir vor Buddha in aller Ernsthaftigkeit bereuen. Die Kraft des Verdienstes, die aus derartigem Bereuen vor Buddha entsteht, errettet und reinigt uns. Dieses Verdienst begünstigt das Wachstum ungehinderten Vertrauens und Bemühens. Wenn Vertrauen erscheint, transformiert es das Selbst und Andere, und seine wohltätige Wirkung erstreckt sich sowohl auf empfindende wie nichtempfindende Wesen. Das Wesentliche der Reue wird wie folgt ausgedrückt:


”Obwohl ich viele unrechte Taten in der Vergangenheit begangen habe und es Ursachen und Umstände gibt, die meinen Weg behindern, bitte ich die Buddhas und Patriarchen, die die Wahrheit durch den Buddha-Weg erlangten, sich meiner anzunehmen, mein Karma aufzulösen und die Hindernisse für mein Lernen der Wahrheit zu beseitigen. Mögen ihre Tugend und ihre Dharma-Tore die grenzenlose Dharma-Welt erfüllen und durchdringen. Lasst mich teilhaben an ihrem Mitgefühl.
In der Vergangenheit waren die Buddhas und Patriarchen so wie wir. In der Zukunft mögen auch wir Buddhas und Patriarchen werden.
Alle böswirkenden Taten sind sämtlich entstanden aus anfangsloser Gier, aus Haß und Verblendung. Ich begehe sie mit meinem Körper, mit meiner Sprache und mit meinem Geist. Aus vollem Herzen bereue ich jetzt dies alles.“


 Wenn wir auf diese Art bereuen, werden wir mit Sicherheit die geheimnisvolle Führung der Buddhas und Patriarchen erhalten.
Dieses im Geist behaltend und entsprechend handelnd, sollten wir vor Buddha offen bekennen. Die Kraft dieses Bekenntnisses wird die Wurzeln unseres schlechten Karma abschneiden

.

3. Ordination und Erleuchtung
Als Nächstes sollten wir den drei Schätzen Buddha, Dharma und Sangha tiefen Respekt bezeugen. Wir sollten geloben, Opfer zu bringen und den drei Schätzen selbst in zukünftigen Leben und Körpern Respekt zu zollen. Diese ehrerbietige Verehrung von Buddha, Dharma und Sangha ist es, was die Buddhas und Patriarchen in Indien und in China korrekt übermittelten.

Wesen von dürftigem Vermögen und karger Tugend sind nicht fähig, auch nur den Namen der drei Schätze zu hören; wieviel weniger können sie Zuflucht zu ihnen nehmen. Nehmt nicht, verführt durch Furcht, nutzlos Zuflucht zu Berggeistern oder Gespenstern oder zu den Schreinen von Nicht-Buddhisten. Diese Arten der Zuflucht befreien nicht vom Leiden. Schnelle Zuflucht zu den drei Schätzen Buddha, Dharma und Sangha führt nicht nur zu Befreiung von Leiden, es führt zur Verwirklichung der Erleuchtung. Bei der Zufluchtnahme zu den drei Schätzen sollten wir reines Vertrauen haben. Ob zu Lebzeiten des Tathagata oder später, wir legen unsere Hände in Gasshô aneinander, beugen unsere Köpfe und rezitieren:

“Wir nehmen Zuflucht zu Buddha, wir nehmen Zuflucht zum Dharma, wir nehmen Zuflucht zur Sangha.”

Wir nehmen Zuflucht zu Buddha, weil er der große Lehrer ist. Wir nehmen Zuflucht zum Dharma, weil er gute Medizin ist. Wir nehmen Zuflucht zur Sangha, weil sie ein hervorragender Freund ist. Nur durch die Zuflucht zu den drei Schätzen werden wir Buddhas Schüler. Welche Gebote auch immer wir empfangen, sie werden nach den drei Zufluchten genommen. Daher ist es in Abhängigkeit von den drei Zufluchten, dass wir die Gebote gewinnen. Das Verdienst der Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma und Sangha ist immer erfüllt, wenn es eine spirituelle Kommunikation zwischen Bittgesuch und Antwort gibt. Wenn es eine spirituelle Kommunikation zwischen Bittgesuch und Antwort gibt, nehmen Götter, Menschen, Höllenwesen, Hungergeister und Tiere alle Zuflucht. Jene, die Zuflucht genommen haben, werden Leben für Leben, Zeit für Zeit, Existenz für Existenz, Ort für Ort stetig vorankommen, sicher Verdienst anhäufen und unübertroffene, vollständige, vollkommene Erleuchtung erlangen. Wir sollten verstehen, dass das Verdienst der dreifachen Zuflucht das geehrteste, das höchste, tiefgreifendste und unfassbarste ist. Der von der Welt Geehrte selbst hat dies bereits bezeugt, und die lebenden Wesen sollten es glauben.

Als Nächstes sollten wir die drei Zusammenstellungen der reinen Gebote empfangen:die Gebote der Beschränkung des Verhaltens, die Gebote, Gutes zu tun und die Gebote, den Lebewesen zu nutzen.

Wir sollten dann die zehn gewichtigen Verbote annehmen. Zuerst, nicht töten; zweitens, nicht stehlen; drittens, sich nicht auf missbräuchliches sexuelles Verhalten einlassen; viertens, nicht lügen; fünftens, nicht mit Rauschmitteln handeln; sechstens, nicht Andere kritisieren; siebtens, nicht sich selbst loben und andere herabsetzen; achtens, nicht nach den Phänomenen noch nach dem Dharma gieren; neuntens, keinen Zorn zulassen oder zeigen und zehntens, nicht die drei Schätze herabsetzen.

Alle Buddhas haben diese drei Zufluchten, drei Zusammenstellungen der reinen Gebote und zehn gewichtigen Verbote erhalten und aufrechterhalten. Jene, die die Gebote empfangen, bestätigen die unübertroffene, vollständige, vollkommene Erleuchtung, die von allen Buddhas der drei Zeiten bestätigt wurde; die Frucht der Buddhaschaft, diamanten und unzerstörbar. Gibt es eine weise Person, die nicht glücklich nach diesem Ziel strebte? Der von der Welt Geehrte hat allen Lebewesen deutlich gezeigt, dass sie, wenn sie die Gebote Buddhas empfangen, sich den Reihen der Buddhas anschließen; den Reihen, die dem großen Erwachen gleichkommen; sie sind wahrlich Kinder der Buddhas.

Die Buddhas verweilen ständig darin, sie verschwenden keinen Gedanken an seine verschiedenen Aspekte; Wesen funktionieren lange Zeit darin, wobei sich die Aspekte nie in ihren verschiedenen Gedanken enthüllen. Da verrichten das Land, die Gräser und Bäume, Zäune und Mauern, Ziegel und Kiesel, alle Dinge im Dharma-Reich der zehn Richtungen das Werk der Buddhas. Daher werden die Wesen, die die so erzeugten Wohltaten von Wind und Wasser genießen, auf geheimnisvolle Weise durch die wundersame und unfassbare Wandlungskraft Buddhas unterstützt und manifestieren ein persönliches Erwachen.
Dies ist das Verdienst von Absichtslosigkeit, das Verdienst von Nicht-Künstlichkeit. Dies ist das Erwecken des Gedankens der Erleuchtung.

4. Das selbstlose Gelöbnis ablegen
Den Gedanken der Erleuchtung zu erwecken heisst, das Gelöbnis abzulegen, alle Wesen zu retten, bevor man sich selbst rettet. Ob Laie oder Mönch, ob Gott oder Mensch, ob leidend oder nicht, wir sollten schnell den Entschluss fassen, zuerst Andere zu retten, bevor wir uns selbst retten.

Selbst wenn von bescheidener Erscheinung, so ist jemand, der diesen Entschluss gefasst hat, schon Lehrer aller Lebewesen. Selbst ein siebenjähriges Mädchen ist ein Lehrer der vierfachen Versammlung, ein mitleidvoller Vater aller Lebewesen.

Macht aus männlich und weiblich kein Thema. Dies ist ein besonders wundersames Prinzip des Weges Buddhas. Nach der Erweckung des Gedankens der Erleuchtung, auch wenn wir durch die sechs Geschicke und vier Arten der Geburt wandern, so sind die Umstände dieses Wanderns selbst die Praxis des Gelübdes der Erleuchtung. Daher, auch wenn wir bislang nutzlos unsere Zeit vergeudet haben, sollten wir schnell das Gelöbnis ablegen, bevor das gegenwärtige Leben vergangen ist. Selbst wenn wir ein volles Maß an Verdienst erlangt haben, ausreichend, ein Buddha zu werden, geben wir es weiter, widmen es Lebewesen, so dass sie Buddhas werden und den Weg erlangen können. Da gibt es welche, die seit zahllosen Kalpas praktizieren – zuerst andere Lebewesen errettend ohne selbst Buddhas zu werden; sie retten lediglich andere Wesen und nützen ihnen.

Es gibt vier Arten der Weisheit, die Lebewesen von Nutzen sind: Geben, freundliche Worte, Wohltaten und Zusammenarbeit. Dies ist die Praxis des Bodhisattva - Gelübdes. “Geben” meint, nicht zu begehren. Auch wenn einem im Grunde nichts wirklich gehört, hält uns das nicht vom Geben ab. Verachtet selbst eine kleine Gabe nicht, ihr Geben wird mit Sicherheit Früchte tragen. Daher sollten wir auch eine Zeile oder einen Vers der Lehre geben und so guten Samen für dieses und andere Leben säen. Wir könnten auch einen Cent oder ein einziges Grasblättchen von unseren Ressourcen geben, um eine gute Grundlage für diese und andere Welten zu legen. Die Lehre ist eine Ressource, und Ressourcen sind die Lehre. Ohne Belohnung oder Dank von anderen zu begehren, teilen wir einfach unsere Stärke mit ihnen. Fährboote zur Verfügung stellen und Brücken bauen sind auch vollendetes Geben. Seinen Lebensunterhalt verdienen und Güter erzeugen sind im Grunde nichts anderes als Geben.

”Freundliche Worte” bedeutet, dass wir, wenn wir Lebewesen begegnen, freundlich von ihnen denken und sie mit gütigen Worten bedenken. Zu sprechen mit einem Gefühl der Zärtlichkeit gegenüber Lebewesen, als wären sie die eigenen Kinder, das ist mit freundlichen Worten gemeint. Wir sollten die Tugendhaften loben und die Tugendlosen bedauern. Freundliche Worte sind grundlegend für das Besänftigen der Feinde und das Fördern der Harmonie unter Freunden. Freundliche Worte ins Gesicht gesagt zu bekommen, erhellt das Antlitz und erfreut das Herz. Freundliche Worte zu hören hinterlässt auf indirekte Weise einen tiefen Eindruck. Wir sollten verstehen, dass freundliche Worte die Kraft haben, den Himmel zu bewegen. ”Wohltaten” bedeutet, geeignete Wege zu ersinnen, den Lebewesen zu nutzen, seien sie edel oder gering. Jene, die die gefangene Schildkröte und den verletzten Vogel fanden, begingen einfach Wohltaten an ihnen ohne von ihnen Belohnung oder Dank zu erwarten. Die närrischen Leute glauben, dass ihre eigenen Interessen leiden, wenn sie das Wohl Anderer an die erste Stelle setzen. Dies ist nicht der Fall. Wohltaten sind Eins, auf universelle Weise dem Selbst und Anderen nützend.

”Zusammenarbeit” bedeutet, nicht zu unterscheiden; keine Unterscheidung zwischen dem Selbst und Anderen zu treffen. Es ist wie der menschliche Tathagatha, der das gleiche Leben lebte wie wir. Es gibt eine Art des Verstehens, in der wir Andere mit uns selbst identifizieren und dann uns selbst mit Anderen identifizieren. In diesem Moment sind das Selbst und das Andere ohne Begrenzung. Der Ozean weist kein Wasser ab; das ist Zusammenarbeit. Aus diesem Grund sammelt sich Wasser und wird zum Ozean.

Zusammengefasst heisst das, wir sollten still über die Tatsache nachdenken, dass die Praxis des Gelübdes, den Gedanken der Erleuchtung zu erwecken, diese Prinzipien hat; wir sollten dabei nicht zu hastig sein, in der Arbeit, Andere zu retten, sollten wir das Verdienst ehren und respektieren, das allen Lebewesen erlaubt, Führung zu erhalten.

5. Beständige Praxis und Dankbarkeit
Den Gedanken an die Erleuchtung erwecken ist etwas, das vor allem die menschlichen Wesen dieser Welt tun sollten. Sollten wir uns nicht daran erfreuen, dass wir die Möglichkeit hatten, in dieser Welt Shakyamuni Buddhas geboren zu werden und ihm begegnet zu sein? Wir sollten in Ruhe erwägen, dass, wäre dies eine Zeit, in der der wahre Dharma sich noch nicht über die Welt verbreitet hätte, wir ihm nicht begegnen könnten, selbst wenn wir gelobten, sogar unser Leben dafür zu opfern.

Wir, die wir jetzt dem wahren Dharma begegnet sind, sollten ein solches Gelübde ablegen. Wissen wir doch, dass Buddha gesagt hat: “Wenn ihr seinen Lehrern begegnet, die höchste Erleuchtung darlegen, zieht nicht ihre Familie und Herkunft in Betracht, beachtet nicht ihr Aussehen, lehnt nicht ihre Fehler ab und denkt nicht über ihr Betragen nach. Ganz einfach, aus Respekt vor Weisheit, verbeugt euch dreimal täglich vor ihnen, ehrt sie und verursacht ihnen keinen Kummer.” Dass wir jetzt den Buddha sehen und den Dharma hören können, ist den Segnungen zu verdanken, die auf uns durch die Praxis eines jeden Buddha und Patriarchen gekommen sind. Hätten die Buddhas und Patriarchen nicht direkt den Dharma übertragen, wie hätte er uns heute erreichen können?

Wir sollten dankbar selbst für die Segnungen eines einzelnen Satzes sein; wir sollten dankbar selbst für die Segnungen eines einzelnen dharma sein. Wieviel mehr sollten wir  dankbar sein für den großen Segen des Schatzes des wahren Dharma-Auges, den höchsten, großen Dharma. Der verletzte Vogel vergaß nicht den Segen, den er erfuhr, sondern zeigte seinen Dank mit den Ringen der drei Ministerien. Die gefangene Schildkröte vergaß nicht den Segen, den sie erfuhr, sondern zeigte ihren Dank mit dem Siegel von Yubu. Wenn selbst Tiere ihre Segnung vergelten, wie könnten Menschen ihn ignorieren?

Wir sollten unsere Dankbarkeit nicht in irgendwelchen anderen Praktiken ausdrücken; der wahre Pfad solchen Ausdrucks liegt einzig in unserer täglichen Praxis des Buddhismus. Dies bedeutet, dass wir praktizieren, ohne unser Leben von Tag zu Tag zu vernachlässigen und ohne uns in uns selbst zurückzuziehen. Die Zeit fliegt schneller als ein Pfeil und das Leben ist vergänglicher als Tau. Mit welchen geschickten Mitteln oder Werkzeugen könnten wir auch nur einen einzigen vergangenen Tag zurückholen? Hundert Jahre zwecklos gelebt sind Tage und Monate, die zu bedauern sind. Es heisst, nichts als ein bedauernswerter Knochensack zu sein. Selbst wenn wir in Unbekümmertheit leben, die Tage und Monate von hundert Jahren als Sklaven unserer Sinne, wenn wir an einem einzigen dieser Tage die Übung auf uns nehmen, dann ist es nicht nur die Praxis dieses Lebens von hundert Jahren sondern auch Errettung in den hundert Jahren eines anderen Lebens. Das Leben dieses Tages ist ein Leben, das Wertschätzung verdient, ein Knochensack, der geehrt werden sollte.

Wir sollten unseren Körper und Geist, der diese Praxis unternimmt, lieben und respektieren. In Abhängigkeit von unserer Praxis wird die Praxis der Buddhas manifestiert und der große Weg der Buddhas dringt zu allen Orten vor. Daher ist die Praxis eines einzigen Tages das Samenkorn der Buddhas, die Praxis der Buddhas. Diese Buddhas sind der Buddha Shakyamuni. Der Buddha Shakyamuni ist,   “der Geist selbst ist Buddha” . Wenn Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen Buddhaschaft erfüllen, werden sie immer zu Shakyamuni Buddha. Dies ist “der Geist selbst ist Buddha”. Wir sollten sorgfältig untersuchen, wer gemeint ist, wenn wir sagen “ der Geist selbst ist Buddha” . Auf diese Art vergelten wir den Segen Buddhas

.

 

 

 

 

 

 

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